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Buliskandal Seite3 - Die Zukunft des Fussball

8-Jan-2002
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Das grosse dunkelrote
Buliskandal-
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> s.u. worum geht es?

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So will die Bundesliga die unterklassigen Vereine plattmachen...
Teil 2

Die Nationalmannschaft und die Ausbildung der jungen Spieler sind den grossen Bundesligaklubs eine Herzensangelegenheit. Natürlich möchte man diese Spieler so auch nicht wie zum Beispiel in Italien üblich an kleinere Klubs ausleihen, um Spielpraxis und Erfahrung im Erwartungsstress eines Klubs zu sammeln, sondern sie sollen zu Hause bei Mama, in den "Amateur"-Teams der Erstligisten spielen. Immer mehr haben sich diese in den letzten Jahren mit Spielern eingedeckt, um konkurrenzfähige zweite Mannschaften zu stellen, die ein solches Umfeld für die Talente bieten, damit diese in den höchsten "Amateur"-Klassen mithalten können.
Doch die Strategie hat eine zweite Ebene: sie expandiert den Keil zwischen den derzeitigen Bundesligisten und den Traditionsteams, die momentan in der ausgedünnten Spitze des Elitefussballs keinen Platz mehr haben (siehe letzte Folge).

Immer mehr zweite Mannschaften der Bundesligisten drängen in die Regionalliga und besetzen die Aufstiegsplätze der Oberligen. Oft funktionieren sie auch noch als Fahrstuhmannschaften und nehmen den 'richtigen' Klubs so die attraktiven Aufstiegsperspektiven. Sie verpesten geradezu den Amateurfussball.
Die Spiele der zweiten Mannschaften der Bundesligisten will kaum jemand sehen, im Gegensatz zu Fortuna Düsseldorf, Eintracht Braunschweig, Kickers Offenbach,  oder RW Essen. Von den Traditionsklubs aus dem Osten wie Dynamo Dresden gar nicht zu reden.

Doch mit dem vielen Geld bauen die Bundesligisten immer stärkere zweite Mannschaften, schaffen immer unattraktivere Ligen und vertreiben so immer mehr Zuschauer aus den Stadien der mittelgrossen Städte. Diese fahren stattdessen längere Strecken zu den Bundesligastadien und geben ihr Geld für Bezahlfernsehabos aus. Dieses Geld wandert wiederum in die Verstärkungen der Kader der Bundesligisten, ihrer zweiten und wahrscheinlich bald dritten Mannschaften.

Schon ist der Angriff auf die zweite Liga geplant. Anstatt die Struktur des deutschen Fussballs mit dem Geld zu stärken, wird er geschwächt und nur die Struktur der Ligaklubs gefördert. Die Forderungen sind bereits laut, dass die zweiten Mannschaften der Bundesligisten auch in der zweiten Liga spielen dürfen sollen. Eine Folge wäre eine notwendige weitere Verstärung der Kader, denn niemand will dort als Tabellenletzter Erfahrungen sammeln. So werden auch bei Bayern, Kaiserslautern & Co. Trainer der zweiten Mannschaften wegen Erfolgslosigkeit gefeuert.

Immer geringer wird die Chance der RW Essen, Kickers Offenbach usw. sich in diesem Umfeld dauerhaft zu erholen, mindestens in die zweite Liga zu kommen. Zwar wird es immer wieder mal einer schaffen (derzeit sind dieses zum Beispiel Alemannia Aachen und Hannover 96), doch das wird die Ausnahme sein. Diese Vereine werden in ihrer Masse in der relativen Bedeutungslosigkeit verschwinden.

Ein Blick auf die aktuellen Oberligatabellen mag dies verdeutlichen:
Schon im Vorjahr scheiterte der Wuppertaler SV trotz herausragender Punktzahl per Torverhältnis an Bayer Leverkusen A, die in der Schlussphase der Meisterschaft natürlich alles verfügbare an Profis in die Wagschaale warfen. Dieses Jahr nun droht die zweite Mannschaft des 1.FC Köln diesen Platz dem Ex-Bundesligisten wegzuschnappen.
In der Oberliga Westfalen dominieren klar die beiden Ableger von Schalke 04 und Borussia Dortmund und werden den Aufsteiger unter sich ausmachen.
In Bayern jagen die zweiten Mannschaften von Greuther Fürth und München 60 Tabellenführer Augsburg und in Hessen stehen Eintracht Frankfurts Amateure an der Tabellenspitze.
Nur in Baden-Würtemberg und im Südwesten haben die Amateure von Mainz und Waldhof Mannheim dagegen schon ein paar Punkte Rückstand auf die jeweiligen Tabellenführer, die zweiten Mannschaften von Stuttgart und Kaiserslautern sind ja bereits in der Regionalliga wie noch die dreier weiterer Bundesligisten.

Am schlimmsten trifft es den Osten. Dort leiden die Traditionsklubs aus Jena, Dresden und Leipzig schon lange am Armenmobbing mit der 'Antiost-Quote': Diese ist das Gegenteil zur Frauenquote - mit besonders wenig Aufstiegsplätzen soll die Entwicklung des Klubfussballs in den 'neuen Bundesländern' möglichst gehemmt werden. So haben 5 Bundesländer inklusive Berlin hier genauso viel Aufstiegsplätze wie Hessen alleine: einen einzigen!! Vor der Annektion des Ostfussballs hatte einmal Berlin West alleine für sich eine bessere Quote.

Diese Oberliga Nordost ist in zwei Staffeln geteilt, in der einen drängeln sich die grossen Namen an der Tabellenspitze. Doch der Meister muss am Ende der Saison ein Entscheidungsspiel um den Nadelöhrplatz gegen den anderen Staffelsieger spielen, und der Tabellenführer dort heisst - Hertha BSC Amateure.

Ähnlich ist die Situation im Norden. Auch hier zwei Staffeln, auch hier führt in einer souverän ein Bundesligist - der HSV.

In den grauen Zellen des DFB hat man den Generalangriff der DFL noch nicht bemerkt. Denn das Tarnargument ist einfach zu schön: Nationalmannschaft...

*Stand der erwähnten Tabellen Dezember 2000


Worum geht es?

Die Agenturmeldung war lapidar und täuschend:
'WM 2002 wieder in ARD und ZDF'.
Am 8.1. wurde bekanntgegeben, dass die Kirch-Gruppe und die ARD/ZDF sich über den Verkauf von Übertragungsrechten für die WM 2002 geeinigt hatten.
24 Spiele werden auch dieses Mal wieder von ARD und ZDF live gezeigt.
24?
Das bedeutet, dass nicht weniger als 40 Spiele erstmals exklusiv im Bezahlfernsehen stattfinden werden.
Zusammenhang in diesem Deal war zunächst auch  das Abtreten von Rechten an zusätzlichen Olympiaübertragungen wie auch EM-Spielen von ARD und ZDF an Premiere World.
Inzwischen setzte die ARD Neuverhandelungen durch, hierbei ging es um die Kopplung des Vertrages an ein Vorkaufsrecht für die viel lukrativeren Spiele der WM 2006.
Der Vertrag ist immer noch nicht abgeschlossen, es ist aber inzwischen sehr wahrscheinlich, dass ein grosser Batzen der zwangsweise eingetriebenen Gebühren an Leo Kirch durchgereicht wird. Und wie gesagt: Es geht nur noch um 24 Spiele, 40 sollen definitiv auf Premiere World laufen.

Die Hintergründe und Implikationen dieses Prozesses sind so umfangreich und weitreichend, dass sie kaum in einem Format wie Bundesligaskandal behandelt werden konnen. Bundesligaskandal wird es in den nächsten Ausgaben trotzdem versuchen.
In Teil 1 erklärte Bundesligaskandal Hintergründe über den WM-Deal für 2002. Teil 2 einige passende, frische Agenturmeldungen und in den nächste Woche versucht Bundesligskandal weitere Puzzleteile, wie den Zusammenhang mit dem Konflikt mit der EU deutlich zu machen.
In Teil 3 ging es um die Struktur des Bundesliga / Premiere Monopols und warum Liga Präsident Hackmann mit einem eigenen Fernsehkanal droht.
Teil 4 knüpfte den Zusammenhang zu den aktuellen Transferrechtsstreitigkeiten mit der EU.
In Teil 5 legte die aktuelle Lage einen erneuten Einschub zu der Rechtediskussion um die WM 2002 nahe.
Teil 6 brachte einige Punkte zum angeblichen Thema TV-Übersättigung
Teil 7 begann damit aufzuzeigen, dass auch Printmedien Interessen verfolgen und somit keine unabhängige Rolle im Fussballfilz spielen können, zunächst am Beispiel des Spieler/Funktionsträger-Journalisten Geflechts
Teil 8 beinhaltet eine Einleitung zum Thema der Verschmelzung der Interessen innerhalb der Medien und ihren schädlichen Einfluss auf den Wahrnehmungshorizont des Betrachters
Teil 9 stellte die Frage: 'Untersagt die EU im Herbst die Zentralvermarktung der Fernsehrechte?'
Teil10 Aktion 0:00 - Bundesliga? kenn ich nicht!
Teil11 Die Ran-Krise
Teil12 Die Pay-TV Krise
Teil13 So wollen die Grossen die Kleinen plattmachen (I)
Teil14 Die verkaufte WM - schon bei der Ziehung
Teil15 So wollen die Grossen die Kleinen plattmachen (II)


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Alles was in Bundesligaskandal steht ist erlogen: Ähnlichkeiten mit der Wirklichkeit sind rein zufällig

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